Essenzen : Kreativität, Vergnügen und Freiheit

Sonnige Noten, Aldehyde, Erfolge der Orangenblume… Die Herrenparfums wagen sich auf unbekanntes Gebiet vor. Das liegt sicherlich an dem Einfluß der alternativen Marken, wie Lutens oder L’Artisan Parfumeur. Aber es gibt sowohl bei den Designern, wie auch bei den Verbrauchern einen Trend, der durch das Parfum Dior Homme und seine Irisnote ausgelöst wurde. Zu den neuen Parfums des Frühlings 2007 gehören Fleur du Mâle und Fahrenheit 32 von Dior, zwei Herrenparfums, die vor zwei Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wären. Beide betonen Orangenblumen, orientalische und sonnige Noten. Ausserdem könnte er Frauen gefallen. Das war schon so, als Dior Homme herauskam, und früher bereits bei Fahrenheit – das Original, mit seinen unvergeßlichen Veilchennoten.
Werden die Herrenparfums weiblicher ? Nicht unbedingt. Aber die Marken werden sichtlich mutiger und den Parfumeuren wird auch mehr Vertrauen geschenkt. Und außerdem hat man vielleicht Lust den Männern, die es wünschen, weibliche Noten anzubieten, die früher nur für Damenparfums reserviert waren. Nach den balsamartigen Irisnoten von Dior Homme fühlen sich die Männer vielleicht frei genug um sinnliche Iris zu tragen. Wie zum Beispiel Iris Granache, der neueste aus der Kollektion L’Art et la Matière von Guerlain, das um einen orientalischen-Iris-Holzakkord mit weißer Schokolade aufgebaut ist.




Die Freiheit war bei den Herrenparfums wahrscheinlich noch nie so groß gewesen wie heute . Die Designer benutzten jetzt Noten von Rose, Iris und Orangen. Jetzt verlangen auch Männer nach Aldehyden, dem Schlüsselelement von dem Erfolg von Chanel N°5. Man findet es leicht aufgetragen bei Herrenparfums, zum Beispiel Polo Black / Ralph Lauren, Silver Black / Azzaro oder Allure Homme Sport / Chanel. Genauso ist es bei den fruchtigen Noten. Black XS / Paco Rabanne enthält die feine, fruchtige Kopfnote von Kalamanzi und Suset Heat for Men von Escada erinnert durch seine Kopfnoten von Karambole-Kombava an ein exotisches Cocktail. Außerdem wird zum ersten Mal seit es Saisonparfums gibt, das Angebot für Männer erweitert.
 



Mut, Freiheit… für die alternativen Marken ist die Grenze zwischen männlich und weiblich oft subjektiv. So hat die Marke Etat Libre d’Orange, die bereits einen Tuberoseduft für Männer herausgegeben hatte, dieses Jahr mit Delicious Closet Queen erneut etwas dazu erfunden. Der Duft ist im Kopf sehr männlich, fast macho, sagt die Schöpferin Nathalie Feisthauer, aber hinter der Maske verstecken sich Elemente von Damenparfums : irisartige Himbeere, Rose Ansolu und Noten, die an Gloss oder Puder erinnern.
Diesen Wunsch zu mehr Freiheit bei der Auswahl an Rohstoffen findet man auch bei Damenparfums, die aus dem Geruchsuniversum der Männer entlehnt sind. Ange ou demon (Givenchy) oder Eau des Merveilles (Hermès) wurden durch Eiche erneuert und Belle von Rykiel stellt Lavendel und Kaffee heraus, was bei Damenparfums selten ist. Wenn man sie fragt, ‘und wenn ein Mann sich mit Belle von Rykiel parfumiert ?’, antwortet Nathalie Rykiel’ (glücklich) das würde ich lieben ! Dieses Parfum ist sehr weiblich und dennoch ist sein Duft so originell und sinnlich, daß ein Mann, der sehr, sehr selbstbewußt ist ihn tragen kann… vielleicht.’