Pierre Dinand II

Was war am schwierigsten zu entwerfen?
Fendi… Karl Lagerfeld war künstlerischer Leiter bei diesem Projekt. Extrem talentiert, aber extrem anspruchsvoll. Ich habe zwei Jahre dafür gebraucht!

Modelle aus Plexiglas, galvanisierter Plastik, Surlyn, der Schraubverschluss von Madame Rochas... Die Innovation scheint stets einen wichtigen Platz in Ihrer Kreation gehabt zu haben; was war Ihr Motor?
Neugier, ich wollte schon immer wissen, wie die Dinge funktionierten. Wenn ich aber an Obsession zurückdenke, könnte man heute solche industriellen Risiken einfach nicht mehr eingehen! Alles muss im Übermaß getestet und erneut getestet werden. Es war damals eine Pionierzeit, in der man noch viel einfacher Risiken eingehen konnte... Das ist heute eindeutig schwieriger.... Man kann heute auch noch Risiken eingehen, kreieren und innovieren, allerdings müssen die Hersteller da mitspielen. Denn, je mehr Risiken man eingeht, umso größer kann der Erfolg sein, aber auch der Flop.
Dasselbe gilt für Parfums, mit dem neuen Gesetz über Allergene wird es, wenn wir so weitermachen, bald kein einziges Parfum auf dem Markt mehr geben, das realisierbar ist.

Was ist Ihre schönste Erinnerung Ihrer Karriere?
All diese Erfolge, wie Obsession, Rive Gauche, Eau Sauvage, Eternity sind wunderbare Erinnerungen, zahlreiche Geschichten und Begegnungen mit den ganz Großen. Direkt mit Calvin Klein, Christian Dior, Estée Lauder, Yves Saint Laurent, Paco Rabanne, Pierre Balmain zusammenarbeiten zu können, ist schon eine Belohnung an sich.
Zu einem Zeitpunkt hielt man mich für den Sohn von M. Dinand, da die Leute der Industrie den Eindruck hatten, Pierre Dinand von jeher zu kennen! Mein Name und mein Image gehörten mir nicht mehr, all das wurde völlig unkontrollierbar.

Und hat das Ihr Leben verändert?
Nein. Ich habe mit dem Windsurfen weitergemacht!

Sie sind immer unabhängig geblieben, obwohl es sicher nicht an Gelegenheiten gemangelt hat, sich einer Firma anzuschließen?
Schon bei meinem ersten Job bei Rochas war ich freiberuflicher Mitarbeiter... Parallel dazu fertigte ich Designs für die Spirituosen von Rémi Martin an... Eines Tages trafen sich Max Cointreau (Chef von Rémi Martin) und Albert Gosset (Chef von Rochas) bei einer mondänen Party und gratulierten sich gegenseitig zum Design ihrer letzten Kreationen. Beide antworten, dass es sich um einen jungen Kreateur handelte, Pierre Dinand. Ohne glauben zu wollen, dass es sich um denselben handelte... und dabei war ich es wirklich! Sie bestellten mich beide am nächsten Tag zur selben Zeit zu sich. Ich traf ein wenig zu früh bei Cointreau und zu spät bei Gosset ein.... Allerdings musste ich letztendlich doch zwischen Spirituosen und Parfums wählen, aber ich bin immer unabhängig geblieben.... Der Komfort eines Lebens als Angestellter hätte mir nicht erlaubt, später für all diese berühmten Kunden arbeiten zu können… Später während meiner Karriere hat man mir mehrmals angeboten, offizieller Designer großer Marken zu werden mit Kapitalbeteiligung... ich habe es zweimal im Namen meiner Unabhängigkeit abgelehnt... als diese Firmen verkauft wurden, bekam ich Angst, bei dem Gedanken, was ich daran hätte verdienen können.... Aber so ist das Leben nun einmal!
Sie haben die Hälfte aller Parfumflakons der Erde geschaffen, gibt es bei der übrigen Hälfte Flakons, die Sie gern entworfen hätten?
Natürlich! Chanel No5 für seine perfekte Schlichtheit, aber das war 1920, also kein Bedauern, da ich da noch nicht geboren war! L’Air du Temps, ein Flakon der gleichzeitig der klassischen Parfümerie entsprach und trotzdem extrem innovativ für die damalige Zeit war.
Und unlängst FlowerbyKenzo, das ist ungefähr alles in den letzten Jahren…
Sind Sie jemals in Versuchung geraten, Möbel zu entwerfen, Ihre Kreationstätigkeit zu diversifizieren?
Ich habe nie Zeit dafür gehabt! Wir arbeiten von jeher an ca. 25 Projekten gleichzeitig, alle für die angesehensten Marken... hier ein wöchentliches Briefing von 1986. (Es geht über 4 Seiten und zählt alle auszuführenden Aktionen für über zehn gleichzeitige Projekte für die größten Marken auf...)
Welche Ansicht vertreten Sie über den heutigen Markt des Parfums?
Ich finde, dass Kreativität der von Verbrauchertests diktierten Kopie gewichen ist. Wenn ein Parfum Erfolg hat, reißen sich alle darum, es zu kopieren. Alles ähnelt sich, die Lancierungen sind viel zu zahlreich. Gerade mal ein Prozent hebt sich von der Masse ab und wird es auch in einigen Jahren noch geben, das ist schade...

Gibt es einen Künstler, dessen Werk Sie fasziniert?
Franck Ghery, er ist 81 Jahre alt... das gibt mir Hoffnung für die Zukunft! (Pierre Dinand ist 78 Jahre alt, d.R.)

Haben Sie eine Devise?
Nicht wirklich… man fragt mich häufig, was ich einem jungen Berufsanfänger sagen würde.... Wenn ich soweit gekommen bin, dann nur, weil ich mehr als alle anderen gearbeitet habe! Spaß beiseite, man muss neugierig sein und zuhören können....

Danke, Pierre.