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Patricia de Nicolaï

Patricia de Nicolaï stammt aus einer großen Familie von Parfumeure. Sie ist die erste Frau, die den internationalen Preis des besten Parfumeur Créateur erhalten hat. Nachdem sie mehrere Jahre bei Florasynth und dann bei Quest gearbeitet hat, gründete sie 1988 ihre eigene Marke: Nikolaï. Seit 20 Jahren hat Patricia de Nicolaï eine reichhaltige Auswahl an Parfüms und Duftstoffen entwickelt, die in 700 Verkaufsstellen in der ganzen Welt angeboten werden. Vor kurzem wurde sie mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. Patricia ist außerdem Präsidentin l’Osmothèque "der Osmothek".

Patricia de Nicolaï, erzählen Sie uns ihre erste Begegnung mit Parfüms.
Man kann sagen, dass ich mt ihnen groß wurde. Meine Großmutter mütterlicherseits hieß Francine Guerlain. Sie war die Tochter von Pierre Guerlain, und die Urenkelin des Gründers von Guerlain, Pierre François Pascal Guerlain.

Neben Ihrem kreativen Beruf sind Sie auch Präsidentin l’Osmothèque "der Osmothek". Wieso wollten Sie die Präsidentschaft übernehmen ?
Neben ihrem kreativen Beruf sind sie auch Präsidentin l’osmothèque "der Osmothek." Wieso wollten sie die Präsidentschaft übernehmen ?
Ich habe nicht entschieden, die Präsidentschaft zu übernehmen. Jean Kerloo wollte das ich für ihn weitermache und ich habe sein Angebot angenommen. Das ist ein Vertrauensbeweis und eine Anerkennung von ihm. Die Aufgabe ist sehr groß. Aber die Herausforderung ist sehr interessant.

Wie viele Personen besuchen jedes Jahr l’osmothèque "die Osmothek"? Wer sind diese Besucher ?
In 2008 haben wir 2800 Besucher gehabt, und 52.000 seit der Eröffnung l’osmothèque "der Osmothek", die dieses Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag feiert. Unsere Besucher kann man in drei Kategorien einteilen: das breite Publikum, Studenten und Fachleute.

Kommen manchmal auch Marken oder Parfumeure um Ideen für zukünftige Kreationen zu bekommen ?
Ja, das passiert oft, weil die Sammlung richtige Schätze enthält. Aber ich glaube, dass heute noch zu wenige Parfüms von l’Osmothèque "der Osmothek" kommen. Allerdings kommen immer mehr Marketing Teams und Verkäufer von Parfümmarken. Sie haben keine historischen Kenntnisse und erhalten von l’Osmothèque "der Osmothek" spezielle Präsentationen. So war es vor kurzem mit der Marke Rubinstein. Das erfreut uns sehr, denn das ist die eigentliche Aufgabe l’Osmothèque "der Osmothek": Sie erhält ein kulturelles Erbe, das sonst verloren geht.

Was sind die wichtigsten Parfüms der Sammlung l’Osmothèque "der Osmothek", wenn Sie nur 5 nennen dürfen ? Gefällt Ihnen eines besonders ?
Natürlich Iris Gris von Jacques Fath, Le Fruit Défendu von Rosine von Paul Poiret mit seiner aktuellen Note. Zu nennen wäre auch Vent Vert von Balmain* und Le Chypre von Coty. Ich mag auch besonders Cuir de Russie von Chanel*.

Welches Parfüm eines anderen Designers hätten Sie gerne geschaffen ?
Cuir Beluga von Guerlain von Olivier Polge. Ich kennen den Parfumeur nicht, würde ihn aber gerne treffen, ich mag seinen Stil und die Art, wie er arbeitet.
Lys Méditerranée von Frédéric Malle, das von Edouard Fléchier entworfen wurde. Ich habe es entdeckt, als meine Cousine es getragen hat (Parfüms kann man am besten auf der Haut riechen !). Mit Blumen in der Parfümerie zu arbeiten ist das Schwierigste, diese Lilie ist ein großer Erfolg. Schade, dass mein Freund Edouard nicht mehr arbeitet, er hat wirklich viel Talent !

 

Was sind Ihre kreativen Einflüsse ?
Ich bin sehr von den alten Parfüms von Guerlain beeinflusst, weil sie meine Kindheit geprägt haben. Während meiner Ausbildung habe ich andere kennengelernt, weitere schöne Parfüms, wie die Schöpfungen von Edouard Roudnitska: Eau Sauvage, Diorella, oder die von Henri Robert, wie Cristalle, eine feine, klare und sprudelnde Parfümerie.

Haben Sie Lieblingsrohstoffe ?
Ja, sie sind für mich sehr wichtig, weil sie mich am meisten beeinflusst haben. Meine Lieblingsrohstoffe ändern sich in Bezug auf meine Kreationen. Ich mag sehr Rosenessenz, sie enttäuscht mich nie. Mein Weggefährte ist zur Zeit Patschuliessenz. Da kann ich immer noch etwas entdecken.

Was sind die erfolgreichsten Parfüms von Nicolaï ?
Bei den Damenparfüms: Number One, und Sacrebleu. Bei den Herrenparfüms: New York, und Cédrat Intense. Bei den Duftkerzen ist Maharadjah unser Bestseller, gefolgt von Fou d’Ambre und La Route du Cèdre.

Auf welcher Ihrer Schöpfungen sind Sie stolz und besonders zufrieden ?
Die Kreation, die im nächsten September herauskommt. Es handelt sich um ein neues Eau de Toilette für Männer: Patchouli Homme. Für mich ist diese Schöpfung vollendet: Die Note ist stark und zugleich modisch und elegant. Außerdem ist sie originell, man unterscheidet sie und erinnert sich leicht an sie.

Sie haben auch schon einmal für andere Marken gearbeitet, wie die Marke für alternative Parfüms MDCI. Möchten Sie diese Erfahrung wiederholen ?
Das hängt von den Angeboten und der Zeit ab, die ich habe. Ich kümmere mich zunächst um meine eigene Marke.

Sprechen Sie doch über Ihre aktuellen Schöpfungen.
Neben dieser männlichen Note, die ich gerade gemacht habe, arbeite ich auch an Projekten für Damenparfüms. Ich habe immer mehrere Eisen im Feuer: Nicht alle Projekte führe ich zu Ende, aber ich besitze Reserven. Zur Zeit sind auf meinem Tisch ein Iris-Moschus, ein Ambra und Frische Eaux, die ich im Sommer gerne mag, wenn es heiß ist.

Wie sehen Sie die Zukunft der Parfüms ? Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft ?
Es gibt zur Zeit zwei Auffassungen in der Parfümerie. Zunächst gibt es solche, die vor allem kommerziell sind. Sie sind technisch gut gemacht, aber meiner Meinung nach nicht sehr kreativ. Ich verstehe die großen Marken, die viel für die Herausgabe investieren, und sofort ihr Geld zurück verdienen müssen. Nur sehe ich da eine Gefahr, weil die Parfümerie ihr Prestige verliert. Zum Glück gibt es andere Marken, die diese Lücke füllen, wie zum Beispiel die alternativen Marken, die jetzt gut etabliert sind und zu denen wir auch gehören. Durch ihre Kreativität und ihr luxuriöseres Image erhalten sie den künstlerischen Charakter des Berufs. Parfüms sind keine Waschmittel ! Einige haben das Image beschädigt, um viel Geld zu verdienen.
Für mich wird es in der Zukunft noch mehr Kreationen mit natürlichen Rohstoffen der besten Qualität, dessen Herkunft besser überprüft wird, geben. Das Publikum wartet darauf. Aber auch die Synthese wird aufgewertet werden. Ich habe genug von dem 100 % natürlichen. Wenn einige zu den Parfüms von Marie-Antoinette zurückkehren wollen, können sie das ja tun. Ich persönlich glaube, nicht dass die Luxusparfümerie 100 % natürlich sein kann. Man muss auf jeden Fall die Synthesemoleküle aufwerten. Die Journalisten sollten die Tabus brechen, und darüber reden. Bereits 1952 hat Ernest Beaux** gesagt: "Die Zukunft der Parfümerie gehört der Chemie…"

(*) Diese Parfüms werden immer noch verkauft, aber l’Osmothèque "die Osmothek" enthält nur die Originale.
(**) Ernest Beaux (1881 - 1961) war ein berühmter Parfumeur, weil er unter anderem N°5 von Chanel geschaffen hat.

Informationen : www.pnicolai.com und www.osmotheque.fr