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Interview mit Thierry Wasser

Der in der Schweiz geborene Parfumeur Thierry Wasser hat zuerst 1981 für Givaudan gearbeitet, bevor er von 1993 - 2008 für Firmenich tätig war. Im Juni 2008 folgte Thierry Wasser auf Jean-Paul Guerlain als der neue Parfumeur von Guerlain.

Thierry Wasser, abgesehen von sich selber, wen hätten sie sein mögen ?
Ich wäre gerne ein Orchesterchef oder ein Pianist.

Ihre erste Begegnung mit Parfüms ?
Ich muss 13 Jahre alt gewesen sein. Ich sah jünger aus, als ich wirklich war. Physisch hätte man mich für qauf 8 Jahre geschätzt. Ein Freund meiner Mutter trug Habit Rouge. Ich wollte mir dieses Parfüm beschaffen, weil ich glaubte, dass es mich männlich macht. Also habe ich es gekauft. Das war mein erstes Parfüm.

Ihre Lieblingsrohstoffe ?
Heute würde ich sage, dass mich bulgarische Rose oder Vetiver faszinieren. Aber in Wirklichkeit habe ich keine. Für mich ist vor allem die Idee bei der Kreation eines neuen Parfüms ausschlaggebend. Die dafür benutzten Rohstoffe ergeben sich aus dieser Idee.

Ihr Lieblingsgeruch ?
Aprikosenkuchen im Ofen gebacken

Ihre Lieblingsblume ?
Die Rose. Ohne Zweifel.

Welches Parfüm eines anderen Schöpfers hätten sie gerne geschaffen ?
L’Eau d’Issey (das Damenparfüm, AdR). Es ist ein sehr ausgereifter Duft. Er besitzt mit seinem honigartigen Charakter Wärme. Die florale Note kontrastiert harmonisch mit dem kalten Aspekt des Parfüms.

Welches Parfüm von Guerlain hätten sie gerne entworfen ?
Mitsouko. Auch wenn das Chypre-Thema bereits vor 1919 (dem Erscheinungsdatum des Parfüms, AdR) aufgegriffen wurde. Aber ich finde, dass der fruchtige Pfirsich-Akkord diesen Chypreduft einzigartig macht. Es ist zugleich einfach und genial.

Was sind ihre Einflüsse als Designer ?
Reisen gehören dazu. Aber ich würde vor allem sagen: die Natur. Ich habe viele Erinnerungen an die Erde die kultiviert und zivilisiert wurde. Gepflegte, in einer Reihe angeordnete Rosen oder eine wilde Rose sind nicht das gleiche, haben nicht den gleichen Duft. Die Natur inspiriert mich sehr, vielleicht, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin.

Von welchem oder welchen Parfüms mögen sie den Stil ?
Annick Menardo, mit der ich oft die Gelegenheit hatte zu verreisen. Sie hat gegenüber Düften eine strenge Methode, eine Kraft, die ich auch gerne hätte. Sie hält an ihrer kreativen Idee fest, ohne Kompromisse einzugehen.

Welches Werk eines Künstler fasziniert sie ?
Der amerikanische Maler Cy Twombly fasziniert mich, vor allem seine großen Gemälde. Sie besitzen eine allegorische Dimension, aber auch einen kräftigen Ausdruck.

Eine Reiseziel, das sie begeistert ?
Es ist immer die letzte Reise. Seit ich klein bin, identifiziere ich mich mit dem Ort, von dem ich starte. Es ist immer schwierig diesen Ort zu verlassen, auch wenn diese Anhänglichkeit oberflächlich ist. Von jeder Reise bringe ich in meinem Koffer, wie in meinem Kopf, tausend Dinge zurück.

Welchen Modemacher mögen sie besonders ?
Marc Jacobs. Er ist ein talentierter Designer, weil er Phantasie ausdrücken und mit seinem Stil gängige Regeln umwerfen kann, auch wenn er in einer geordneten Umgebung arbeitet.

Ist es schwierig auf eine Generation von Parfumeuren von Guerlain zu folgen ?
Nein, das glaube ich nicht. Guerlain ist eine Marke mit 180 Jahren Geschichte. Aber seit ihrer Existenz haben Kosmetik und Schönheitsprodukte eine wichtige Rolle gespielt. Und bei den Parfüms sind es die langen Schaffensperioden von Jacques Guerlain und Jean-Paul Guerlain (beide über fünfzig Jahre), die mich beeindrucken. Jeder hat als absoluter Meister seinen eigenen Stil geprägt.

Glauben sie, dass sie den Parfüms Guerlain einen neuen Stil geben ?
Ich habe nicht genügend Abstand, um das sagen zu können. Das wird sich vielleicht nach 20 Jahren herausstellen. Aber ich kann für ein neues Parfüm oder einen Flakon eine genaue Vorstellung haben. Außerdem musste zum Beispiel für Idylle die Formel nach meinem eigenen Geschmack geschrieben werden. Und der ist natürlich verschieden zu denen von Jacques oder Jean-Paul Guerlain.

Wie werden die Parfüms der Zukunft sein ?
Ich glaube, dass die Industrie aus den Parfüms ein industrielles Erzeugnis gemacht hat: Die Geste sich zu parfümieren ist funktional und banal geworden. Für die Zukunft werde ich unter den zahlreichen Neuerscheinungen auch ein Fenster für Träume offenlassen, wie es auch andere Marken machen. Dem Hedonismus wird ein Platz offengelassen. Dann sind Parfüms ein Vergnügen, das man sich gönnt, und wenn man sich parfümiert, macht man sich den Duft zu eigen…

Ihr Luxus ?
Mein Luxus… Nichts zu tun.