osMoz > Magazine > Interviews > Interview mit Sylvie de France

Interview mit Sylvie de France

Sylvie de France entwirft seit zwanzig Jahren Flakons und arbeitet für die bekanntesten Parfüm- und Luxusmarken. Sie war bereit, osMoz die Geheimnisse ihres Berufes, ihre Inspirationsquellen und ihre Vorstellungen zu Flakondesign und Parfüms anzuvertrauen.

Sylvie, erzählen sie etwas über die Parfümflakons, die sie geschaffen haben.
Jedes Parfüm entsteht bei einer Begegnung mit einer Marke, einem Austausch, aus Vertrauen und vor allem sich selber in Frage zu stellen, um eine schöne Flakonform zu erfinden. Mir gefällt es in meinem Beruf Emotionen und Humanität in eine Welt einzubringen, die sonst vor allem von Geld dominiert wird. Aber die Parfümerie braucht und erwartet eine emotionale Sprache. Zu meiner Methode kann ich sagen, dass ich eng mit den Marken zusammen arbeite: ich versuche ihre Schlüsselwerte zu entziffern, und gleichzeitig ihren Wurzeln, ihrem Image und ihren Bedürfnissen treu zu bleiben.

Was sind ihre Einflüsse als Designerin? Woher kommen ihre neuen Ideen?
Meine Einflüsse kommen aus Bereichen, die mir nahe sind: Mode, Geschirr, Architektur und Poesie. Ich schöpfe meine Inspirationen von den Gefühlen, an die ich mich erinnern kann. Eine Farbe, eine Form, eine Musik, Wörter oder eine Begegnung können sie wieder lebendig werden lassen.

Auf welchen Parfümflakon sind sie am meisten stolz ?
Es ist schwer eine Auswahl zu treffen, aber vier Flakons haben meine Karriere besonders beeinflusst. Sie stehen für Etappen und erinnern an wichtige Begegnungen: L’Eau d’Issey von Issey Miyake; Le premier parfum von Lolita Lempicka; Apparition von Emanuel Ungaro; Le parfum von Chantal Thomass.

Welcher war am schwierigsten zu machen ?
Der erste Damenflakon von Jean-Paul Gaultier war eine technische Herausforderung. Die Schwierigkeit des Auftrages war es, das richtige Volumen zu finden, um einen schönen Stockman (Büste, die in der Mode benutzt wird, AdR) zu machen. Für mich ist tatsächlich der menschliche Körper 'die' schwierigste Form, die man ausdrücken kann. Mit 27 Jahren war für mich dieses Design ein sehr schönes Kennenlernen von den technischen Schwierigkeiten des Glases, bei der mir z. B. der talentierte Ingenieur Bernard Jumel geholfen hat.

Architekten und Möbeldesigner werden von den Parfümmarken immer öfters angeworben. Was halten sie davon?
Das kann zu schönen Schöpfungen führen, warum nicht. Allerdings gibt es Beispiele, die zeigen, wie gefährlich das sein kann. Für das Entwerfen von Flakons braucht man Erfahrung.

Welchen Parfümflakon eines anderen Designers hätten sie gerne entworfen?
Spontan fällt mir Daisy von Marc Jacobs ein. Das ist ein schöner Kompromiss zwischen einer verführerischen Arbeit am Glas und Phantasie und Poesie, die für Luxus nötig sind.

Welche neuen, originellen Ideen für Parfümflakons (Form, Berührung, Funktion…) sehen sie für Morgen?
Ich träume davon den schönsten Flakon zu machen, der möglichst viele Männern und Frauen gefällt und zugleich so ökologisch wie möglich ist, damit meine Enkelkinder stolz auf mich sein können !