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Interview mit Bertrand Duchaufour

„Ich mag den Geruch von Erde…”

Bertrand Duchaufour hat seine Karriere als Parfumeur 1985 in Grasse begonnen. Nach seinen Anfängen bei Lautier-Florasynth hat er zunächst für Créations Aromatiques und später für Symrise gearbeitet. Er ist seit 2007 freiberuflich tätig und seitdem der Hausparfumeur von L’Artisan Parfumeur, arbeitet aber auch für andere Marken. Bertrand Duchaufour ist Kunstliebhaber, vor allem von naiver Kunst und ein großer Weltenbummler. Wir haben ihn in seinem Pariser Büro anlässlich der Lancierung des Parfums Traversée du Bosphore getroffen, das von einer Reise nach Istanbul inspiriert wurde.

Bertrand Duchaufour, abgesehen von Ihnen selbst, welche Person wären Sie gern gewesen?
Ein großer Erforscher. Denn was für mich zählt, ist das Entdecken.
Erzählen Sie uns von Ihrer ersten Begegnung mit einem Parfum?
Ich war 17 Jahre alt und in ein Mädchen verliebt, das Chanel N°19 trug.
Und Sie, welches war Ihr erstes Parfum, das Sie getragen haben?
Ich glaube, es war Gentleman von Givenchy (ein holziger Chypreduft von 1974, dr).
Ihre Duftpalette ist breitgefächert. Haben Sie Lieblings-Rohstoffe?
Davana, Patschuli, Iris und Angelikawurzel. Ich benutze auch gern Weihrauch, Rosa Beeren und Tuberose.
Welchen Geruch bevorzugen Sie?
Den von Erde.
Welche(s) Parfum(s) anderer Kreateure hätten Sie gern kreiert?
Mitsouko von Guerlain, Iris Gris von Jacques Fath. Vielleicht auch Habanita von Molinard oder Bandit von Piguet.
Von welchem Parfumeur bewundern Sie den Stil?
Ich würde drei zitieren: Annick Menardo, Jacques Guerlain un Edmond Roudniska.
Welche Einflüsse inspirieren Sie als Kreateur?
Meine Inspiration ist zunächst und vor allem die Natur selbst.
Gibt es Künstler, deren Werke Sie faszinieren?
Francis Bacon, Léonard de Vinci und Raphaël bei den Malern. Bei Musikkomponisten: Chopin und Schubert.
Abgesehen von der Natur sind Ihre Düfte von Reisen inspiriert. Das ist auch der Fall bei Traversée du Bosphore für L’Artisan Parfumeur. Gibt es Reiseziele, die Sie besonders begeistert haben?
Ja, der Jemen. Und das Land Dogon in Bandiagara, in Mali sowie der Himalaya... immer der Himalaya*.
Ist jede Reise eine Inspirationsquelle für zukünftige Kreationen? Haben Sie zum Beispiel ein Heft, indem Sie Ihre Dufterinnerungen Ihrer Reisen festhalten und auf die Sie später zurückgreifen?
Das ist sogar oft der Fall… aber nicht systematisch. Ich laufe immer mit einem Heft herum, in dem Parfumformeln herumschwirren und die manchmal einen Bezug zu dem haben, was ich bei meinem Aufenthalt sehe, manchmal auch nicht. Das kann jedoch auch sehr konzeptuell sein und unmittelbar mit einer Idee zu tun haben, die mir gerade in den Kopf kommt.
Sie haben viel für alternative Marken komponiert, von L’Artisan Parfumeur, über Penhaligon’s bis zu Comme des Garçons. Sie werden übrigens sehr von Fans seltener Parfums geschätzt. Haben Sie eine Vorliebe für diese Art von Marken oder ist das letztendlich eher eine Sache der Begegnungen und des Zufalls?
Es ist tatsächlich eine Sache der zufälligen Begegnungen, die sich im Laufe einer Karriere ergeben und wieder vorbeigehen. Eigentlich sind meine Begegnungen oftmals so zufällig, dass ich nicht mal mehr danach suche, mit welcher Marke ich arbeiten könnte oder wollte. Es handelt sich stets um plötzliche Begegnungen oder unerwartete Wiedersehen, die sich oft als erfolgsversprechend herausstellen.
Welche Dufttrends sehen Sie vor morgen voraus?
Keine Ahnung. Oder vielleicht doch! Ich habe eine Idee, werde sie aber nicht preisgeben... Natürlich nicht!
Bertrand Duchaufour, was ist Ihr eigener Luxus?
Schöne Frage. Ich versuche, mir Zeit zu nehmen. Es gibt nichts, absolut nichts Kostbareres.
(*) Bertrand Duchaufour hat bereits an den Himalaya mit Dzongkha (L’Artisan Parfumeur) erinnert. Dieses Unisex-Parfum wurde nach einer Reise des Parfumeurs nach Bhoutan kreiert, einer kleinen Enklave zwischen Indien und China.