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Die Berufe der Parfümbranche : Thierry de Baschmakoff, designer

« Die Rolle des Designer ist es vorwärtszukommen, zu provozieren, zu überraschen. »

Der Designer Thierry de Baschmakoff hat Flakons für berühmte Parfümmarken entworfen. Wie ein Art Director konzipiert er Schmuckstücke, die poetisch oder mutig sind oder der Technologie der Düfte, wie sie von den Parfumeuren entworfen wurden, entsprechen.

Thierry, erzählen sie uns etwas von den Parfümflakons die sie entworfen haben.
Ich bin in Grasse geboren und trotz der Duftproben und anderer Parfüms um mich herum bin ich nicht in die Fußstapfen meiner Vorfahren getreten. Sehr schnell fand ich den Flakon interessanter als die Trunkenheit ! Ich bin in Paris ohne jede Erfahrung oder Kontakte angekommen. Ich habe für meine Agentur einen eigenen Stil entwickelt, den ich durch die Ereignisse, Begegnungen und Möglichkeiten weiterentwickelt habe. Ich hatte das Glück berühmte und schöne Männer und Frauen kennenzulernen, die mir schnell vertrauten, wie BULGARI, der das Konzept meiner Agentur änderte. Von da an haben wir immer anspruchsvolle Marken vertreten, die es uns erlaubt haben, eine Referenz in der ziemlich geschlossenen Welt des Luxus zu werden.

Was sind ihre Einflüsse als Designer ? Wo finden sie neue Ideen ?
Heute ist die künstlerische Kultur unbegrenzt und läßt sich von alles inspirieren: das ist der Einfluß der zeitgenössischen Kunst, die mehr in Frage stellt, als eine künstlerische Strömung zu vertreten. Ich persönlich bin dem gegenüber sehr aufgeschlossen und benutzte gerne sehr verschiedene Inspirationsquellen, die nicht miteinander in Zusammenhang stehen, aus einer Art unbegrenztem, ästhetischen Chaos. Gleichzeitig denke ich sehr logisch und mein Denken faßt alle Informationen zusammen, um ein totales Chaos im Stil zu verhindern. Es ist aber eine gute Sache Unterschiedliches zu mischen. Ich arbeite heute an vielen anderen Themen, um neue Tendenzen zu provozieren… Und das ist es vor allem, was die Marken wollen. Deswegen gehe ich sowohl in das Palais du Tokyo**, als auch auf dem Flohmarkt von Saint-Ouen. Oder ich probiere selber künstlerische Experimente aus.

Auf welchen Flakon sind sie am meisten stolz ? Und welcher war am schwierigsten zu entwerfen ?
In aller Bescheidenheit gibt es Objekte, die ich "die ersten" nenne, weil sie eine neue Herangehensweise erlaubt haben. Dazu gehört der Flakon von dem L'Eau Parfumée Bulgari und der Lippenstift von Dior Addict, der erste, der sich anders als ein klassischer Lippenstift öffnete. Heute ist das fast schon evident. Und schließlich gab es 1992 in gewisser Hinsicht das erste "Nischenprodukt" (Ich kann mich an dieses Wort für Parfüms nicht gewöhnen). Wir haben viele entworfen, was einen Präzedenzfall geschaffen hat: Man darf nicht die Rolle des Designers unterschätzen, der nach vorne geht, provoziert und überrascht. Eine Konzeption zu machen ist mir, ohne arrogant sein zu wollen, nie schwer gefallen. Es wird komplizierter, wenn man sich mit einer Marke über die ästhetische Interpretation nicht versteht. Dann schwimmt man im Irrationellen und das kann schwierig sein.

Wie wählen die Marken einen Designer für einen Flakon aus ? Werden sie mit anderen Designern in Konkurrenz gesetzt, wie es bei den Düften der Fall ist ? Oder arbeiten sie im Gegenteil exklusiv für einige Marken ?
Ich habe beschlossen Konkurrenz auf ein Minimum zu beschränken. Sie hat überhaupt keinen Vorteil, weder für die Marken, noch für die Designer. Wenn man zu viel Auswahl hat kann man sich nicht mehr richtig entscheiden. Außerdem handelt es sich hier um ein kreatives Abenteuer: Es ist eine echte Partnerschaft und ein Wettbewerb ist das Gegenteil. Er geht von dem Postulat aus, daß es Zweifel über die Kapazität des Designers gibt Antworten zu finden. Ein Kinoproduzent macht nicht 3 Versuche von 3 Regisseuren bevor er sich entscheidet. Er wählt den aus, von dem er weiß, daß er das gewünschte Resultat erreichen wird. Heute arbeite ich lieber mit den Marken im Team. Sie merken auch, daß das Resultat besser ist, wenn man es gemeinsam erreicht. Außerdem haben wir unsere Dienstleistungen breiter gefächert und machen jetzt auch Marketing.

Vor einigen Jahren hörte man oft von den alternativen Marken folgende Worte: ‘Der Flakon ist nicht wichtig…’. Heute hat man im Gegenteil den Eindruck, daß die alternativen Marken den Flakons immer mehr Gewicht geben, bevor sie ihr Produkt auf dem Markt bringen. Was ist ihre Meinung dazu als Designer, aber auch als Mitbegründer der alternativen Marke The Different Company ?
Die alternative Marke benutzt einen einzigen Aspekt, der das Marketing und den Umsatz ausmacht: Das ist das Produkt. Die anderen Faktoren einer Marke waren ihr für eine lange Zeit aus Budgetgründen verboten gewesen. Deswegen erhielten das Design und die Definition des Produktes bis ins letzte Detail eine geradezu philosophische Bedeutung. Alles beruhte auf diesen Elementen. Für The Different Company wollte ich eine große Distanz zwischen unseren Produkten und den anderen schaffen, indem unseres wertvolle Besonderheiten besitzt, die oft schwierig zu imitieren sind. Inzwischen hat sich der Markt verändert und hat sich uns sehr genähert. Deswegen müssen wir heute wieder auf Distanz gehen: Das ist ein bißchen ein Spiel, bei dem man sich nicht fangen lassen darf.

Spielt heute der Respekt vor der Umwelt für ihre Kunden bei der Auswahl eines neuen Flakons eine größere Rolle ?
Um es ganz deutlich zu sagen: Überlegungen zur Umwelt haben für die Kreation keine Aktualität. Zunächst müssen die Industrien etwas tun und da verändert sich viel. Mit The Different Company haben wir den Weg gezeigt, indem wir Flakons geschaffen haben, die man ganz auffüllen kann, indem wir so gut wie kein Plastik verwendeten, und vor allem, indem wir verhinderten, daß der leere Flakon im Mülleimer landet. Bei Schönheitsprodukten kann nur die Auffüllung oder die Wiederverwendbarkeit eine Herausforderung sein. Ich glaube, daß man aus kulturellen Gründen glaubt, daß der Luxus nicht die Umwelt verschmutzt. Im Prinzip ist das nicht ganz falsch, weil die meisten Luxusobjekte meistens nicht auf der Müllhalde landen. Aber die Schönheitsindustrie vertritt das Gegenteil dieses Postulats, weil am Ende alles zum Müll wird. Es gibt also eine neue Art kreativ zu sein, die genau durchdacht ist, um ein Maximum dieser Art von Verschwendung des Luxus zu reduzieren.

Welchen Flakon eines anderen Designers hätten sie gerne geschaffen ?
Ich hätte lieber ein Objekt für eine Musikgruppe geschaffen. Für Archive zum Beispiel, weil man sie nicht klassifizieren kann, sie eklezistisch ist und als Gruppe einen neuen Ansatz vertritt***. Wenn es also gelingt diese Welt in ein Objekt zusammenzufassen, ist das sicher amüsant und gar nicht einfach.

Welche neuen originellen Ideen für das Material der Flakons (Form, Stoff, Funktionalität…) sehen sie für die Zukunft ?
Stellen sie sich einen heutigen Flakon vor: Er besteht aus einer Flasche, einem Hals, einer Pumpe, einem Verschluß. Man kann sich aber auch überlegen, etwas anderes auszuprobieren. Alles ist noch offen, wenn man die Entwicklung imm Auge hat. Vor einigen Jahren habe ich einen Flakon ohne Hals und ohne Verschluß entworfen, der dennoch ein Spray hat. Das war wahrscheinlich zu avantgardistisch…

(*) Die Agentur von Thierry entwirft jetzt auch das Design von Kosmetikprodukten, Spirituosen, Uhren…
(**) Der Ausstellungsraum von dem Musée d’Art Moderne der Stadt Paris
(***) Archive ist eine englische Musikgruppe oder eigentlich ein Kollektiv, mit unterschiedlicher Besetzung und einem Musikstil, der schwer zu definieren ist.