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Die Berufe der Parfümbranche :Françoise Donche, Olfaktologin Givenchy

« Die Konsumenten kaufen vielleicht weniger, aber sie kaufen besser... Sie wollen Sinnvolles. »

Françoise Donche hat in der Welt der Parfüms eine besondere Aufgabe. Bei Givenchy ist sie alles zugleich: Spezialist für Düfte, Ideenfinderin und Erhalterin der Dufttradition der Marke. So stellt sie eine Verbindung her zwischen den Parfumeuren, dem Marketing Team, der Ausbildungsabteilung, der Pressestelle und den Verkaufsstellen. Sie nennt sich gerne "Olfaktologin". In diesem Interview stellt sie uns ihren interessanten Beruf vor.

Françoise Donche, sie werden oft als Olfaktologin von Givenchy vorgestellt. Erzählen sie uns von ihrem Beruf. Sind sie eine Art 'Orchesterchef der Düfte' ?
Ich wollte diesen Titel haben, denn er erinnert jeden auf fundamentale Weise daran, daß er einen Geruchssinn hat. Und er ist so wichtig, wie die Sicht (für die Farben und das Make Up), der Tastsinn (bei den Pflegeprodukten), das Gehör (für die Töne und die Musik) oder der Geschmackssinn (für die Gastronomie und die Önologie). Einem Parfüm, seiner Kreation und seiner Anwendung zu dienen, ist zunächst dem Duft zu dienen. Das ermöglicht es mir, die verschiedenen Erwartungen und kulturellen Unterschiede der Konsumenten und Konsumentinnen zu relativieren.

Auf sie geht die Linie ‘Récoltes’, die jetzt jedes Jahr bei Givenchy zu finden ist, zurück. Wie kann man diese Linie in das augenblickliche Angebot der Parfümerien einordnen ? Und wie werden die Rohstoffe der verschiedenen Düfte ausgesucht ?
Die Kunden von Les Récoltes haben einen starken Bezug zum Natürlichen. Man kann sagen, daß sie einem luxuriösen Bedürfnis nach einem 'natürlichen Parfüm' nachkommen. Dieses sehr untypische Projekt zeigt, daß eine 'ungewöhnliche' Kreativität mit Erfolg ansprechen kann, vor allem in Frankreich. Diese Produktlinie ist in der Tat eigentlich für Insider. Sie ist sehr exklusiv und gibt es nur in limitierten Editionen. Sie wird durch Mund zu Mund Propaganda bekannt: Das ist das Prinzip des seltenen Luxus. Für die Ausbildung (der Verkaufsteams, AdR) war es und ist es immer noch nötig eine Expertenausbildung zu machen, die ausschließlich von der Marke Givenchy angeboten wird. Es ist nicht vorgesehen, es einem größeren Publikum mitzuteilen. Und was die Rohstoffe angeht, so holen wir sie von überall her, wenn wir es können. Wir reisen nach Frankreich, Marokko, Ägypten, Indien oder in die Türkei. Früher waren es die Lieferanten der Rohstoffe, die auf ihren Reisen die Essenzen gefunden haben. Man kann bei den Récoltes Givenchy von einer richtigen Blumenjagd sprechen.

Können sie uns über die Ernten eine amüsante oder originelle Anekdote erzählen ?
Ja, ich konnte bei Ernten teilnehmen, auf Mimosenbäume klettern und die Hügel von Tanneron* erklimmen. Diese Erfahrung ermöglichte es mir, Ungewöhnliches zu erfahren, was das Konzept dieses Projekts ist.

Ist es einfach mit Parfumeuren und internen Teams über Parfüms zu reden? Nicht alle haben das gleiche Vokabular, das gleiche Wissen über Düfte oder Techniken, was den Kontakt erschweren kann. Wie gehen sie vor ?
Meine Methode ist sehr einfach und ich kann sie in dem folgenden Zitat zusammenfassen: 'Es ist wichtig zu lieben: Die Liebe zu den Designern, die Liebe, die man der Kreation des Produktes und des Projekts schenkt…' Wenn man gemeinsam die Marke und die Thematik, an der man arbeitet, liebt, dann kann man sich über Probleme austauschen. Die Sprache wird enthusiastisch und produktiv. Die kreative Energie elektrisiert sowohl das Design des Flakons, den Namen des Parfüms oder das Konzept der Werbung. Für den Duft selber muß der Parfumeur konzentriert bleiben und etwas abseits der Zweifel des Teams der Marke arbeiten. Ihre Zweifel können die Konzeption und den Beginn einer Kreation behindern. Sie sind konstruktiv und von Vorteil bei der Beendigung eines Projekts. Sie sind ein nützlicher Schutz. Wenn aber die Kreativen - Designer, Fotografen oder Parfumeure - sich auf dem Höhepunkt ihrer Inspiration und ihres Talents befinden, dann handeln sie wie Hellseher. In diesem Fall muß sich das begleitende Team der Marke leicht zurückstellen um ihnen absolute Freiheit und Frieden für ihre Kreativität zu geben.

Nehmen sie an Konsumententests für ihre neuen Produkte teil ? Wenn ja, wie verbinden sie Innovation und Überraschungen die gleichzeitig den Erwartungshaltungen der Konsumenten entsprechen ?
Ich habe eine interne Gruppe, die ich bei Givenchy 1995 ins Leben gerufen habe. Sie prüft regelmäßig ca. fünfzig Produkte für Damen und Herren. Ich persönlich befrage sie ganz zu Beginn eines Projekts, was es mir erlaubt, die emotionale Reaktion wahrzunehmen. Aber ich kann sie auch in der Endphase befragen, wenn sie Tests durchführen. So kann ich Details in der Qualität des Duftes und der Dauer überprüfen. Diese Personengruppe umfaßt 150 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Firma.

Die Konsumenten scheinen neugieriger und über Parfüms besser informiert zu sein. Glauben sie nicht, daß der Kontakt zum Kunde an den Verkaufsstellen manchmal zu simpel ist. (‘Das ist ein neues Parfüm von…’, ‘Es ist frisch, usw.) ? Halten sie Verbesserungen für möglich ?
Man kann die Beziehung zwischen dem Kunden und dem Verkaufspersonal verbessern, wenn die Orte der Verkaufsstellen neu konzipiert werden. Die augenblickliche Form hat ihre Grenzen und ist ein Hindernis für einen qualitativen Austausch, der für die Auswahl eines Parfüms und eine Kaufentscheidung notwendig ist. Der Glaube an einen impulsiven Kauf ist in vielen Ländern nicht mehr möglich. Neue Modelle, die von anderen Bereichen inspiriert sind, geben Hoffnung für eine notwendige Veränderung. Aber ich bin Optimist. Der Vertrieb von Parfüms wird sich verändern.

Gehen sie manchmal selber zu den Verkaufsständen, um die Verkaufsteams zu treffen ? Oder sogar die Konsumenten ? Wenn ja, ermöglicht das ihnen einen Austausch, ein Feedback für die Kreation zukünftiger Düfte ?
Ja, ich gehe alle drei Monate mindestens einmal zu einem Verkaufsstand. Für meine Generation gehört zu der Kreation die Nähe zum Kunden und zu den Teams. Ja, ich spreche mit den Konsumenten und Konsumentinnen und ihr Feedback erlaubt es mir, ihre Wünsche und Träume zu hören. Ich achte darauf, daß es nötig ist dem Modeimage der Marke gerecht zu werden. Wir sind in der Tat nicht zahlreich, ursprüngliche eine Marke der Haute Couture zu sein. Unser neuester Duft, Eaudemoiselle, zeigt diesen Gedanken.

Welche Essenzen sind ihrer Meinung nach am typischsten für die Düfte von Givenchy ?
Zu der Tradition von Givenchy gehören viele Blumen und viele Hölzer. Das ist ihr Markenzeichen, ihre Identität, ihr emotionelles Register und ihre Eleganz. Anstatt die Essenzen zu benennen, betone ich lieber die Gefühle, die die Parfüms hervorrufen können. Givenchy ist nach und nach eine Marke mit eigenem Charakter geworden, aber auch eine Marke, die von neuen Benutzern und Benutzerinnen entdeckt wird.

Haben sie persönliche Lieblingsrohstoffe?
Ich wünsche mir eine gelungene Duftkreation zu dem Thema des Gewürz: eine persönliche Vorliebe… Aber die Gastronomen beherrschen wahrscheinlich die Gewürzpalette besser. Meine Fetisch-Rohstoffe sind 'grün'. Ich mag zum Beispiel das Galbanum. Aber ich kann meinen persönlichen Geschmack nicht für Givenchy verwenden.

Wie werden die Parfüms der Zukunft sein? Haben sie persönlich einen Wunsch für die Zukunft ?
Für die Parfüms bin ich optimistisch. Die Konsumenten kaufen vielleicht weniger, aber sie kaufen besser… Sie wollen Sinnvolleres. Wir Marken müssen verstehen, wie sich die Parfüms weiterentwickeln werden und sollten dafür sorgen, daß die Parfüms weiter geliebt werden. Der Traum muß weitergehen. Aber ich bin nicht beunruhigt, denn die Kreativität ist unbegrenzt.

Und zum Schluß: Welche Parfüms würden sie gerne tragen ?
Ich liebe es Hot Couture zu tragen. Das ist ein Parfüm, das auf sich aufmerksam macht: im Theater, bei einem Abendessen oder wenn ich in der Straße spazieren gehe. Oft kommt es vor, daß man mich anhält, um mich zu fragen, was ich denn trage. Hinter der Note von fruchtiger Himbeere folgt eine Basis aus Holz und Ambra, die viel Ambrox** besitzt. Man erkennt den Stil von den Parfumeur Jacques Cavallier. In Frankreich ist Hot Couture nicht so bekannt, wie in Kanada oder in den osteuropäischen Ländern. Für mich ist es ein schneller Duft, eine Kreation, die zugleich köstlich und sexy ist.

(*) Die Gebirgsgruppe ist in dem französischen Departement Var und ist bekannt für seine Mimosewälder.
(**) Ein synthetischer Rohstoff mit Tonarten von Moschus und Ambra, die an den Duft von grauem Ambra erinnern.