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"Mein Klassiker und ich " von Grain de Musc

Mein eigener Klassiker: Bandit, von Germaine Cellier für Robert Piguet

Germaine Cellier ist ohne Zweifel die frechste Parfumeuse in der Geschichte. Sie hat als erste Orangenblumen mit Tuberosen zusammengebracht - eine genauso explosive Begegnung wie die der naiven, ängstlichen Frau mit der Femme Fatale in Mullholland Drive von David Lynch… Aus diesem ungewöhnlichen Paar ist Fracas hervorgegangen. Und nach ihm entstand eine ganze Dynastie von Divas. Germaine Cellier hat auch die farblosen Veilchen durch eine Verbindung mit Leder gestärkt (Jolie Madame von Pierre Balmain). Und sie erfand eine neue Parfümfamilie, indem sie eine Überdosis Galbanum in Vent Vert (ebenfalls bei Balmain) gegossen hat.
Aber nichts ist so radikal wie Bandit, das während des II. Weltkriegs entwickelt wurde. Dieses Parfüm paßt ohne Zweifel zu ihrem Designer, denn es ist das frechste, was je für Frauen entwickelt worden war - und es paßt zu den selbstbewußten Frauen des Kinos der 40er Jahre. Über Germaine Cellier erzählt man, daß sie die Spottlust und die Eleganz von Arletty besessen hat.

Als Fracas mich mit seiner großen Schwester bekannt gemacht hat, habe ich den Duft von Leder und Aschenbecher von Van Cleef and Arpels pour Homme, ein Zögling von Bandit -wiedergefunden, der in meiner Jugend, als ich das Film Noir Kino liebte, mein Begleiter war. Aber das herbe Bandit hatte mich zunächst wegen seiner komplexen Zusammenstellung angezogen. Das Herz besitzt verführerisches Jasmin, Tuberose und Gardenie. Eingeschlossen wird es durch erdiges Grün von Galbanum und bitteres Wurmkraut im Kopf und durch schwarze Tinte an der von Leder und Rauch geprägten Basis. Diese enthält Bibergeil mit seinen geschmeidigen Wohlgerüchen von Tinte, schwarzer Schokolade und seinen Aspekten von verbrannten Süßholz, Eichenmoos und Vetiver mit leichten Gerüchen von Schweiß.
Es ist so, als ob Fracas sich von seiner übertriebenen Weiblichkeit befreit hätte - sie war so übertrieben, daß sie verstellt war - um sich den Ledermantel ihre Liebhabers überzuziehen und für eine geheime Mission zu verschwinden. Das Gras und die nasse Erde des Gartens, durch den sie schleicht, kleben an ihren Seidenstrümpfen; der gejagte Mann, der in seinem Versteck wartet, raucht geschmuggelte Zigarren…

Aber auch wenn Bandit mit Gesetzlosen flirtet, ist es kein gefährliches Parfüm. Wenn es hart auf hart kommt, ist es verläßlich; wenn man sich verliebt, vertreibt es, wenn es hautnah wird, den Zigarettengeruch.
Die aktuelle Formel wurde von Jean Guichard wieder hergestellt. Sie besitzt eine besonders schöne Parfümkonzentration. Aber die Retro-Version ist so erstaunlich, daß mir die Worte fehlen - Germaine Cellier hätte das sicherlich gefallen. Durch seine androgyne Art kann Bandit auch von Männern getragen werden. Es hat Charakter und ist nicht für schwache Gemüter. Wahrscheinlich wird er deswegen den Frauen angeboten…

Mein Klassiker von Morgen?

Sandrine Videault interpretiert die duftenden Rituale des ozeanischen Insel Wallis. Es ist eine tropische Komposition mit der Fagrea, eine Blume des <Tabuholzes>, die einen Geruch von Tuberose, Gardenie und Tiaré hat. Manoumalia ist ein Duft, in dem das Reisemotiv der zeitgenössischen Parfüms zur Ethnographie gezogen wird. Das wird sich in den nächsten Jahren als fruchtbar erweisen.

Zum Autor

Einführungskurse zu Parfüms am London College of Fashion. Ich bin der Autor von Sex Game Book : Histoire culturelle de la sexualité (Assouline) und ich schreibe zur Zeit ein Buch über Parfüms für Harper Collins. Ich bin Mitglied der Société Française des Parfumeurs.

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