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"Mein Klassiker und ich" von Ambre Gris

Calèche (Hermès), Sixtine von Ambre Gris

Mein eigener Klassiker ?
Da könnte ich nennen... Oh ! Mein Gott!... eigentlich zahlreiche Parfüms
Verträumt – Après l’Ondée, kleine Tropfen von Iris, ein Flüstern von Veilchen, tanzende Feen auf Zehnspitzen, Satie spielt seine Gnossiennes.
Nostalgisch – Nuits Indiennes von Scherrer, der elegante Orient, mein Duft für eine einsame Insel, verschwunden, verschwunden, verschwunden.
Bewegend – das wunderbare Heure Bl…
Nein.
ich habe es.
Das Parfüm, an das ich mich am längsten erinnern kann, was ich schon zu meiner Kindheit kannte, was in schöner Erinnerung geblieben ist.
Calèche.

Seit immer prägt es den Parfüm-Stil meiner Mutter, nur vorübergehend war sie ihm untreu geworden. Und sie trägt es in Erinnerung an ihre eigene Großmutter, die es, als es 1961 auf dem Markt kam, adoptierte.
Die Urgroßmutter Apollonie konnte keine bessere Wahl treffen: Calèche ist wunderbar. Es war der erste große Parfüm der Marke Hermès, nachdem die ersten drei Parfüms nur exklusiv in ihren Geschäften verkauft wurden. Diese Komposition von dem berühmten Guy Robert (Madame Rochas) soll zweierlei bewirken: Zunächst vor allem Eleganz, aber es soll auch zugänglich sein - es muß gefallen.

In einer Welt, in der es bereits N°5 gab, denkt man bei Eleganz sofort an <Floral-Aldehyd>; Calèche wurde also genauso geschaffen. Während aber der berühmte Duft von Chanel eine Überdosis anbot, ist die Version von Hermès ein Wunder an Ausgeglichenheit. Im Kopf kann man gut die hesperide Noten und Aldehyde, mit ihrem Duft von Seife/Orange/Eisen/Bügeleisen erkennen. Im Herzen von Calèche ist alles gut vermischt, keine Note singt höher als die andere. Rose, Jasmin und Iris fusionieren zu einem sauberen und homogenen Blumenduft, der ein wenig puderig und immer von leichten Aldehyden umgeben ist. Man erkennt schon die ersten Anzeichen einer zärtlichen Basis aus Chypre - aber, um ehrlich zu sein, dieser Chyprecharakter ist nur angedeutet: Das Eichenmoos wagt nicht seine erdigen Akzenten zu entwickeln und begnügt sich damit einige warme und geschmeidige Noten an der Basis zu flüstern. Verbunden werden sie mit einem bitteren, metallischen Vetiver, der ganz gut bemerkbar ist, und einer winzigen Note von Wildleder.
Hermès hat richtig gesehen: alles ist Maß und das sehr elegante Calèche könnte das duftendes Synonym für < guten Geschmack > sein. Es ist ein Duft, der wie kamelfarbiges, zartes Kaschmir ist, oder eine feine Perlenkette.

Die Jahre gehen vorbei, und ich habe zahlreiche Flakons gesehen und… Neuformulierungen: Calèche gehört leider auch zu den großen Klassiker, die im Laufe der Zeit gelitten haben. Es ist wahr, daß es schon fast ein halbes Jahrhundert alt ist. Diese Tatsache macht ihn für ein heutiges Publikum schwieriger… Aber reicht die Erklärung aus ? Der Duft des heutigen Parfüms hat einen guten Teil von seiner Geschmeidigkeit über die Jahre verloren. Statt dessen erhält es durch einen präsenteren Vetiver eine gewisse Steifheit, die in dem - entzückend weiblichen - Original fehlte.
Das wäre nur tragisch, denke ich, für diejenigen, die die älteren Versionen gekannt haben. Aber hinter diesem Avatar, auch wenn er kein Meisterwerk mehr ist, behält Calèche noch einige schöne Spuren von seiner prachtvollen Vergangenheit.

Mein Klassiker von Morgen?

Sind Klassiker mit etwas Distanz besser ? Ich wüßte nicht, welches vor kurzem erschienene Parfüm ich zitieren sollte, was einen Maßstab für Morgen geben kann… Zu meinen bevorzugten Düften gehört: das exzellente Matin d’Orage und Ninfeo Mio von Annick Goutal, bemerkenswerte Neuinterpretationen der klassischen Strukturen, und La Treizième Heure von Cartier, ein außergewöhnlicher Duft von Leder und rauchigem Tee, der mich verzaubert hat.

Zum Autor

Weil jedes Parfüm eine Geschichte erzählt, weil es der fliegende Teppich ist, der die Sinne und die Phantasie mit auf eine Reise nimmt… Eine Ode an Parfüms, von einer Liebhaberin für andere Liebhaber dieser wunderbaren Kunst der Parfümerie.
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