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Lorenzo Villoresi, ein Künstler des Parfums

Alle Stars fragen den Florentiner, wenn sie ihr eigenes Parfum kreieren wollen. Seine Methode ist die eines Psychoanalysten : Er läßt seine Kunden erzählen und erfährt von ihren intimen Gefühlen um so das Parfum zu schaffen, das am besten zu ihnen paßt. Ein Gespräch mit einem Meister, der seine Einzigartigkeit pflegt.

Von Cinzia Dal Maso . 10/11/01

Eine Veranda auf den Dächern von Florenz mit Sicht auf den Arno, Santa Croce und die Kuppel von Brunelleschi. Weiter weg sind die sanften Hügel der Stadt. Studien von Philosophie und alten Religionen, lange Reisen in den Vorderen Orient, das ist das Königreich von Lorenzo Villoresi, ein Künstler des Parfums, der die Tradition des florentinischen Parfums der Renaissance mit einem Touch Modernität wieder wach werden läßt.
Sein Refugium ? Ein Palais in der charmanten via Bardi, dort, wo er vor nicht so langer Zeit Sting und seine Frau, Herr und Frau Tony Blair, Thomas Harris, Billy Joel und so viele andere empfangen hat… «Zu mir kommen Leute aus den unterschiedlichsten Verhältnissen, präzisiert er, sensible Menschen, für die ein Geruch und vor allem Parfum, etwas sehr wichtiges ist.»

Worte in Düfte übersetzen

Alle kommen hierher um ein persönliches, einzigartiges Parfum zu bekommen,. Lorenzo Villoresi läßt sie sprechen, hört ihnen zu, entdeckt ihre Geheimnisse, selbst die intimsten. «Das ist der Grund warum man am besten alleine ohne Freunde oder Verwandte kommt», erklärt der Designer. Was fragt er sie ? Das verrät er uns nicht. «Meine Kunden vertrauen sich mir an, weil sie wissen, daß ich mich nicht für den Inhalt ihrer Aussagen interessiere, und ich die Informationen nur brauche um das Parfum zu kreieren. Danach vergesse ich alles.»
Auf diese ungewöhnliche Weise entstehen seine Parfums. «Es sind die Kunden selber, die die Parfums kreieren, ich mache fast gar nichts. Ich bin nur ein Übersetzer, der das Alphabet der Gerüche kennt. Ich übersetze die Worte in Düfte, ich bin ein Vermittler zwischen ihrem Verlangen und der parfümierten Phiole. Mit den Essenzen rekonstruiere ich die Atmossphäre und die Gefühle. Im Unterbewußtsein herrschen oft sehr schöne Gerüche.»

Eine Tradition, die mit Liebe gepflegt wird

Während der Kunde redet und sich entdeckt, probiert Lorenzo Villoresi Essenzen auf der Haut aus. Wenn das Gespräch beendet ist, ist der Flakon fertig, der nach den Regeln der Kunst hergestellt ist, denn hier handelt es sich um Kunst. Villoresi zieht, in aller Bescheidenheit, den Begriff Kunsthandwerk vor. Er erinnert daran, daß die Parfumherstellung, Resultat von einer reichen und heiligen Tradition etwas wertvolles ist. Man muß sie mit Liebe pflegen, das Gegenteil von dem was man heute macht.
«Die Händler verstehen nichts von der Parfumherstellung und können ihre Kunden nicht beraten. Das Phänomen existiert seitdem die Parfumherstellung mit der Mode assoziert ist. Seit der Nachkriegszeit ist die Mode der Hauptabnehmer der Parfums geworden und die Parfumhersteller haben sich angepaßt. Dann gab es die Juweliere, die Sänger, die Schauspieler, die Automarken… Eine progressive Vulgarisierung. Die echte Parfumkultur existiert praktisch nicht mehr.»

Eine schöne, duftende Ansicht erarbeiten

Diese Kultur, die der Wissenschaftler, der zufällig zu den Parfums kam, bewahren möchte, geht auf Katharina von Medici und ihre Parfumhersteller zurück. «Alles ereignte sich so, wie bei einer Leidenschaft», erzählt er. «Ich machte eine Studienreise in den Orient, pflückte Gewürze und gewann die Essenzen. »Nach und nach hat er sie gemischt. Zuerst einfache Verbindungen, dann kompliziertere. Ende der 80er Jahre haben die Parfums die Philosophie in den Schatten gestellt.

In seiner Werkstatt sind Essenzen, ätherische Öle und Gewürze aus der ganzen Welt, die er mit typischen toskanischen Elementen mischt, wie dem Lorbeer, den Oliven, Zypressen und dem Irisharz. Das ewige Dilemma zwischen den natürlichen und synthetischen Rohstoffen stellt sich ihm nicht. «Wenn sie ein Bild betrachten, sehen sie etwas schönes und nicht etwas gut gemachtes. Für ein Parfum ist es das gleiche. Es ist eine schöne, duftende Ansicht.»

«Wenn man das Konzept des Wohlbefindens untersucht, spricht man nicht mehr von Parfum, sondern von Aromatherapie. Heute gibt es ein Mißverständnis : Aromatherapie ist ein Oberbegriff, der oft von unseriösen Menschen falsch benutzt wird. Das gleiche Durcheinander herrscht zwischen dem, was natürlich ist, und dem was es nicht ist. Der Parfumdesigner ist ein Schöpfer von Welten und Visionen. Das Resultat ist ein Mosaik, das funktioniert, wenn die Steine an ihrem Platz sind. Das Ziel ist die Repräsentation.»