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LEDER-Sensationen

Ledrige Düfte zeichnen sich oft mit viel Charakter, Charme und Kühnheit aus. Allerdings hat sich das Leder in den letzten Jahren eher rar gemacht und sorgt in diesem Winter für ein aufsehenerregendes Comeback.
Bericht von Nicolas Olczyk

Zu den zahlreichen Lancierungen der Wintersaison 2010 - 2011 gehören unzählbare Referenzen mit ledrigen Inhaltsstoffen. Das wiedergewonnene Ansehen von Leder bei den großen Prêt-à-Porter-Marken hängt vielleicht hiermit zusammen. Wie dem auch sei, Alternativmarken und Massenkonsumgüter setzen ihrerseits auf Leder.
Bei Dior verbindet sich Leder mit den rauchigen Noten von Oudholz im gleichnamigen Leather Oud. Dieser Unisex-Duft mit leicht wilden Akzenten wird in der neuen 'Collection Couturier Parfumeur’ angeboten. In Cuir, einem der drei Parfums der Seri Les Nombres d’Or, mischt die Kreateurin Mona di Orio Leder mit den harzigen Noten von Wacholder und Opoponax. In Boxeuses von Serge Lutens spielt Leder ein ausgefallen köstliches Spiel mit Pflaume und Lackritz. Mit L’Heure Fougueuse (Cartier) bietet Mathilde Laurent eine ‘Pferdemähne'-Note, bei der sie eine ledrige Chypre-Note mit ein wenig Süße neu interpretiert: halb animalisch-halb pflanzlich.

Auch andere neue Parfums bringen Leder wieder ins Tagesgeschehen zurück, darunter Cuir Blanc (Evody) mit cremigem Duft oder Arsène Lupin Dandy (Guerlain) einer recht würzigen Chypre-Kreation. Der Trend beschränkt sich jedoch nicht auf die kleineren Marken. Für seinen neuen Duft für Frauen Fan di Fendi schmückt sich die italienische Marke mit Blumen und Holz ‘cuoio Romano’ für einen Leder-Akkord mit Wildleder-Tonalitäten.

Der Juwelier Van Cleef & Arpels hat Leder zu seiner Schlüsselnote in seinem neuen Parfum Midnight in Paris gemacht. Das Ergebnis ist relativ süß mit einem Effekt von rauchigem Schwarztee, der von vanilligem Balsam besänftigt wird. Das für Männer gedachte Parfum wird bestimmt auch Frauen gefallen. Das ist übrigens häufig der Fall bei ledrigen Parfums. Ihr selbstsicherer Charakter verleiht ihnen oft eine schwer klassifizierbare Seite. Ergebnis: lange vor dem Trend der Unisex-Düfte wurden ledrige Parfums häufig sowohl von Männern als auch von Frauen getragen.

Von Tabac Blond de Caron (Hommage an die rauchenden, knabenhaften "Garçonnes"-Frauen zwischen beiden Weltkriegen), über Black de Bulgari (mit leicht angebranntem und balsamischem Geruch) bis hin zu Bel Ami von Hermès (ein würziger, sanfter und bestechender Lederduft) haben es Ledernoten oft verstanden, beide Geschlechter gleichzeitig zu betören.