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Außergewöhnliche Blumen

Seltene, exotische Pflanzen, neu erfundene Blumen, Blütenblätter aus Vinyl oder Satin und prähistorische Arten… Blumen bieten Designern ein weites Feld für Kreativität und sind zugleich unterhaltsam. Selbst die klassischsten Blumen können manchmal überraschen...
Ein Beitrag von Nicolas Olczyk

Ein berühmter Pariser Konditor benutzt die Litschi, um seinen Kreationen einen Rosengeschmack zu geben. Obwohl es eine originelle Idee ist, erhält er ein köstliches Resultat. Aber Rosen sind Litschis etwas ähnlich. Und das Gegenteil stimmt auch. Der Rosen-Chypre Duft von Idylle von Guerlain hat nichts mit dem Klischee einer englischen Rose zu tun und besitzt tatsächlich diese Litschi-Tonart. Rosen sind komplizierte Blumen mit vielen Seiten, die manchmal überraschen. So verliebte sich Annick Goutal in eine Rose mit Birnengeschmack. Wenn diese tief eingeatmet wird, erinnert die Rose auch an Noten von Zitronengrasund von Artischocken. In den letzten Jahren ist die Rose wieder in Mode gekommen, und die Herausforderung für die Parfumeure ist es, eine neue, originelle oder gesteigerte Art zu finden, um sie zu präsentieren. In einigen neuen Schöpfungen entwickelt sich die Rose zu Aspekten von Weiß, fast von Aldehyden, wie in Essence von Narciso Rodriguez oder Blanche von Byredo. Oder umgekehrt entfaltet sie sich zu fruchtigen und spritzigen Tonarten, wie bei Jeanne Lanvin La Rose, die knackige und grüne Kopfnoten von Johannisbeeren hat.

Andere Blumen ermöglichen dem Parfumeur etwas ganz verschiedenes zu machen. In dem neuen Parfüm von Balenciaga entwickelt sich eine Veilchennote in einer modernen und süßen Partitur. Sie ist herb aber nicht hart und wird von zärtlichen fruchtigen Noten und holzigem Moschus begleitet. Veilchen werden oft als ein typischer Duft wahrgenommen. Aber auch sie besitzt viele unvermutete, überraschende Seiten. Veilchen können nach Bonbons oder Geschichtspuder riechen, Veilchen können nach Himbeeren duften oder umgekehrt. Und in Parfüms wie Fahrenheit oder Grey Flanel wird das Veilchen sogar männlich.

Wenn man die floralen Akkorde neu erfindet, kann man so auch einzelne, neue Blumen herausstellen, die manchmal imaginär sind, wie die grüne und wilde Kapuzinerkresse von den Eaux de Fleurs von Chloé. Dazu gehört auch Lavendel, ein Rohstoff, den die Parfumeure normalerweise nicht zu den blumigen Noten zählen, vielleicht weil Lavendel vor allem zu den Männerdüften gehört. Aber Eau de Fleur de Lavande ist wahrscheinlich aus diesem Grund ein interessanter Duft. Es ist eine ganze eigene Art: eine einzige Blume, die sonst Männern vorbehalten ist. Und sie kann durch ihre Noten von Holz, Moschus und Sauberkeit, die sehr ausgeprägt sind, auch Männer ansprechen.

Auch wenn bei den Herren richtig blumige Parfüms noch keinen Erfolg haben, probieren die Parfumeure subtile Akkorde aus. Für Frédéric Malle hat Dominique Ropion die Geranie, eine Note, die oft die Rose der Männer genannt wird, benutzt. Es ist aber eine Rosé-Note mit Aspekten von Minze und in Géranium pour Monsieur ist die Minze gesteigert. Für Paul Smith Man hat Nathalie Lorson die Iris bearbeitet, die mit ihren trockenen und aromatischen Noten so biegsam und puderig wie das Patschuli oder das Lavendel ist. Zahlreiche andere Männerdüfte besitzen Tonarten von Veilchen oder etwas Iris, manchmal sogar Jasmin oder Maiglöckchen.
Bei den neuen Damenparfüms sind die Blumen ebenfalls würzig. Für Si Lolita (Lempicka) benutzte Christine Nagel zwei würzige Blumen, die selten sind: den Goldlack und die Duftende Platterbse. Man findet auch einen würzigen Charakter in den Blumen von Idole von Armani. Sie haben einen Akkord von Safran und eine Davana-Note, eine exotische Blume mit aromatischen und likörartigen Akzenten.

Manchmal führen Blumen zu richtigen Wahnvorstellungen. Für Frédéric Malle hat der Parfumeur Carlos Benaïm einen floralen Duft für zu Hause entworfen, der Jurassic Flower genannt wird. Diese 'prähistorische Blume' hat die Magnolie, eine Blume, die zur Zeit sehr im Trend liegt*, im Zentrum ihre Komposition. Dazu kommen Noten von Lavendel und Aprikosen.
Und wie werden uns in Zukunft die Blumen überraschen ? Die Bloggerin Denyse Beaulieu nennt einen interessanten Trend: fleischfressende, tropische Pflanzen. Fleischfressend, den sie essen die Haut von der Person, die sich damit parfümiert. Zu diesem Trend zählt Manoumalia von LesNez, mit einer Blumennote der Fagraea und Amaranthine von Penhaligon’s, einen orientalischer, sehr würziger Blumenduft.

* die Note gibt es in Wanted von Helena Rubinstein, Magnolia Nobile von Acqua di Parma, Cristalle Eau Verte von Chanel…