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Kaffee-Akkorde in Parfüms

Kaffee ist weit mehr als ein einfaches Genussprodukt, er ruft Gefühle in Erinnerung und erweckt neue. Einfach weil unter den heute zahlreichen Sorten jede einzelne Kaffeebohne ihr ganz eigenes Aroma hat. Es ist diese facettenreiche Seite des in der Parfümerie verwendeten Kaffee absolue, die mehr und mehr verführt. Einige junge "Nasen" erzählen uns mehr über diesen Naturrohstoff.

Von Loetitia Gerolami de Rocca Serra . 28/02/02

Auch wenn zwei Sorten von Kaffeesträuchen (Arabica und Robusta) angebaut und verwertet werden, dann besitzen ihre Bohnen zahlreiche Charakteristika, die durch die Anbauhöhe, das Klima, die Bodenbeschaffenheit, die Erntemethoden und das Rösten bestimmt werden. Das Rösten der Bohnen liefert übrigens die Aromen. Man spricht daher vom blumigen oder würzigen Aroma, das vom Duft der beim Rösten frei gesetzten Öle stammt. In der Parfümerie werden selbstverständlich nur Qualitätsbohnen verwendet, die im Vergleich zu anderen die zwei- bis dreifache Menge an essentiellen Ölen enthalten.

Ein verzauberndes Aroma und eine vielschichtige Würze

Genau davon wurde Jean Jacques, eine Nase bei Tagasako, verführt. Als ihn das Haus Torrente wegen seines Damenparfüms L'Or kontaktierte, wollte er dem zeitlosen Rose absolue (häufig verwendet) einen neuen Begleiter geben. Zur Unterstreichung dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise musste er eine intrigante Note finden. "Ich hatte Lust, einen Geschmacksstoff zu verwenden. Ich habe Kaffe wegen seiner Frische gewählt, den ich dann mit rosa Beere aufpeppte. Ich wollte, das der Duft verwirrend und sinnlich wirkt und umhüllte ihn deswegen mit Vanille". Kaffee hat zwei Facetten: Eine kräftig frische und eine warm sinnliche wie Mokka. Ich richtete mich eher nach der abgerundeten Zubereitung, als nach dem gesüßten Bodensatz in der Tasse. Ich wollte Wohlbefinden hervorrufen und versichern. Der Duft sollte vor allem nicht aggressiv wirken, denn die Haute Couture von Torrente verletzt nie das Auge. Außerdem wärmt der Kaffee in diesem Duft die Rosennote und belebt sie, um ihr ein neues Gesicht zu geben".

Ein Aufsehen erregendes Aroma

"Der Kaffee-Akkord, der bis dato fast ausschließlich in Herrendüften verwendet wurde, findet nach und nach auch in Damenparfüms Verwendung", erzählt uns Christine Nagel, Nase bei Quest International. "Die Anziehungskraft beruht auf seinen vielfältigen Akzenten, die er in Verbindung mit anderen Noten setzt. Und da Kaffeebohnen sehr aromatisch sind, entwickelt das Kaffeeextrakt entweder eine Note von geröstetem Kaffee, eine Note Cappuccino, Milchkaffee oder eine Note Kaffee mit kandierten Kastanien. Ein Traum für uns Parfümeure, da wir so mit einer immensen Palette spielen und die unterschiedlichsten Kontraste kreieren können. Von bitter zu süß, von hart zu weich."

Eine warme Note, die sich auf der Haut entfaltet

Dies hat Raphael Haury (Charabot) aufmerksam gemacht. Dennoch wird der vielversprechende Kaffee-Akkord erst seit 5 bis 6 Jahren verwendet. "Er wurde eher mit Tabak-Akkorden, die in bestimmten Herrendüften zu finden sind, verbunden. Das Trio Tonkabohne, Cumarin und Liatrix (eine in Florida wachsende und nach Tabak riechende Pflanze) funktionierte jahrelang. Ich liebe die orientalische Seite der Kaffeenote, die normalerweise mit Vanille, Benzoe oder Tonkabohne akzentuiert wird. So lassen sich Kaffeenoten kreieren! Ich schätze die verschiedenen Aspekte, die dieser Akkord einnehmen kann. Gerösteter Kaffe, Mokka, Espresso (tierische Noten), das alles ist für einen Parfümeur sehr spannend.
Ich finde, Kaffeenoten können sowohl in der Kopf-, Herz- und Basisnote vorhanden sein. In der Kopfnote gibt die Kaffeenote Wärme und Fülle, in der Herznote rundet sie die anderen Noten ab und in der Basisnote lässt sie die anderen Noten reifen und schließt sie mit einem samtigen Akzent ab. Diese Note habe ich vor drei Jahren in Gourmandise von Rodier verwendet. Es handelte sich dabei um einen Duft, der um einen orientalisch-fruchtigen Akkord aufgebaut war und in der Kopfnote eine sehr präsente Milchkaffeenote hatte. In der Basisnote habe ich Tonkabohne hinzugefügt, um die Verbindung zu schaffen."

Vor allem verführerisch

Die Kaffeenote ist stark, weil sie vibriert und lebt. Aus diesem Grund wurde sie für die Komposition mit holziger Note A.Men von Thierry Mugler gewählt. Seine Persönlichkeit und sein äußerst innovativer Charakter geben dem intensiv gewünschten Akkord ein gewisses Temperament. Der gleiche Grundgedanke findet sich in Yohji Homme von Jean-Michel Duriez, das 1999 auf den Markt kam. Holzige Noten (charakteristisch für Herrendüfte), würzige und ambraartige Noten wurden mit den nicht minder geschmackvollen Noten von Süßholz, Rum und Kaffee aufgepeppt. Natürliche und intrigante Aromen, Erinnerungen an die Kindheit. Eine Möglichkeit, seine Gefühle noch einmal zu leben, die Wärme und eine gewisse Form der Sicherheit wieder zu finden.

Der Kaffee-Akkord beinhaltet all dies und noch viel mehr. Eine Note, die noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben hat. Bleiben Sie also dran...