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Nathalie Lorson

Nathalie Lorson ist Parfumeuse bei Firmenich in Paris. Sie stammt aus Grasse und übt seit zwanzig Jahren ihren Beruf mit Leidenschaft aus.

Nathalie, sprechen sie ein bißchen über die Parfums, die sie geschaffen haben.

Ich habe meine Kindheit in Grasse verbracht, wo mein Vater als Chemiker bei Roure gearbeitet hat. 1980 habe ich nach dem Abitur beschlossen eine Ausbildung bei Roure zu machen. Damals gab es noch wenig Frauen, die Parfumeuse werden wollten. 1987 arbeitete ich bei IFF in der Abteilung der Parfumerie Fine.

Einer meiner ersten Erfolge war Bulgari pour femme. Seit 2000 arbeite ich im Team von Firmenich. Ich habe Parfums für Armani, Shiseido, Dolce & Gabbana, Jil Sander, aber auch für Kate Moss geschaffen. Ich habe ebenfalls die drei letzten Parfum für Lalique gemacht : Perles, Encre Noire und Amethyst. Es gibt vielleicht eine eigene Handschrift, aber für jeden der drei Parfums. Ich stand mit anderen Parfumuren in Konkurrenz.

Was sind ihre kreativen Einflüsse ?

Für mich ist alles Inspiration : das Optische (Farben, Formen), Taktile, der Geschmack (Küche)… Das kann auch die Atmosphäre von Erinnerungen oder eine Ideenkette sein. Ich schöpfe aus allem, was die Gefühle anspricht und versuche das anschließend in Parfums umzusetzen. Wenn ich an einem Projekt arbeite, hat die Marke einen großen Einfluß. Sie hilft mir meine Recherchen zu begrenzen.

Woran erkennt man ihre Parfums ? Was sind ihrer Meinung nach die Markenzeichen ?

Das ist schwer zu sagen, weil ich mitten drin stecke… Aber ich versuche vor allem einem Projekt oder einer Marke zu dienen, so daß ich manchmal in unbekanntes Territorium vorstoße und mein Ego zurückstelle ! Ich bin auch stolz darauf, niemals das Gleiche zu tun. Aber ich glaube, daß man trotzdem etwas Charakteristisches finden kann. Ich mag ausgeglichene, harmonische und intime Dinge. Ich habe keine Lust zu verletzen und Zwietracht zu säen. Und selbst wenn mal ’geschimpft werden muß’, versuche ich es abzurunden. Ich bewege mich in einer Richtung von leichteren Parfums : die Formeln werden immer kürzer, aber ich benutze immer mehr schöne, natürliche Rohstoffe, soweit das möglich ist. Bei den Rohstoffen habe ich keine Vorliebe für aromatische Noten, sondern ich mag die Rose und Holz-Rose Akkorde.

Glauben sie, daß es für ihre Schöpfungen einen Unterschied macht, daß sie eine Frau sind ? Wen ja, welcher?

Vielleicht. Ich habe eine weibliche Wahrnehmung, das ist eine Tatsache, und davon bin ich auf jeden Fall beeinflußt. Aber wie kann ich diesen Faktor von dem Rest meiner Persönlichkeit trennen ? Ich mag nicht an Macho-Gerüchen arbeiten, die zum Beispiel sehr rau sind. Ich versuche vor allem weibliche Düfte zu schaffen, obwohl… Und dann gibt es bestimmte Marken, deren Welt mir als Frau mehr als andere zusagen. Aber ich glaube, daß es am Ende eine Frage der individuellen Persönlichkeit ist. Es kann einen genauso großen Unterschied zwischen zwei weiblichen Nasen geben, wie zwischen einem Mann und einer Frau.

Welche(s) Parfum(s) anderer Parfumeure hätten sie gerne geschaffen ? Warum ?

Déclaration von Cartier für seine Interpretation der holzigen und würzigen Noten und seiner charakteristischen, qualitativen Eigenständigkeit. Flower by Kenzo : Das ist eine schöne Variante des klassischen Blumen-Puder Thema, eine Art Heure Bleue von Guerlain neu interpretiert. Ich hätte auch gerne Hypnotic Poison von Dior oder L’Instant von Guerlain geschaffen. Es sind Produkte des reinen Vergnügens, sinnlich, einnehmend, wiedererkennbar und sehr individiuell, so wie sich sie mag.

Wie werden die Parfums der Zukunft sein ? Haben sie selber einen Wunsch für die Zukunft ?

Ich glaube, daß man sich über die große (zu große ?) Anzahl der augenblicklichen Parfums bewußt wird. Das wird Parfums mit einem starken Charakter und einer eigenen Identität erlauben, stärker herauszustehen. Das gleiche gilt auch für die elitäre Parfumerie, die sich an Konsumenten richtet, die wirklich anders sein wollen. Heute kennt sich der Konsument in Parfums immer besser aus und ist deswegen immer anspruchsvoller. Außerdem werden neue Märkte (Russland, China, Lateinamerika) Bewegung in die Trends bringen und vielleicht auch in den Konzepten der Parfums selber…