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Isabelle Doyen

Isabelle Doyen ist die Nase der Kreationen der Marke Annick Goutal. Sie arbeitet aber auch für andere Marken.

Isabelle, sprechen sie ein bißchen über die Parfums, die sie geschaffen haben und auch von ihrer Zusammenarbeit mit Annick Goutal.

Sagen wir einmal, daß ich mich fast als Autodidaktin sehe. Ich habe 1982 die Isipca (damals Isip) abgeschlossen. Damals dauerte die Ausbildung drei Jahre, aber ich hielt das für eine ausführliche Einführung. Sobald ich sie abgeschlossen hatte, ergab es die Möglichkeit, selbständig zu arbeiten. Ich habe ohne zu zögern diese Wahl getroffen. Das war nicht einfach, aber es war sehr interessant am Anfang alleine dieses Universum kennenzulernen. Etwas später habe ich Annick kennengelernt, die ebenfalls Autodidaktin ist. Wir sind sehr unterschiedlich, aber haben uns sofort verstanden, weil wir wahrscheinlich komplementär sind. Wir wußten, daß wir die ‘gleichen Dinge riechen’, was meiner Meinung nach selten ist. Gemeinsam haben wir schöne Dinge geboren, oft mit Gelächter. Wir wählen ein Thema aus (wir haben für die selben Gerüche den gleichen Enthusiasmus, so daß der Katalog der Düfte, aus denen wir uns bedienen konnten, sehr groß war !). Sie hat mir viel beigebracht, vor allem anspruchsvoll zu sein. Ich war nicht immer selbstständig. Mit Camille, der Tochter von Annick, mit der ich heute arbeite, ist Goutal ‘unsere Marke’. Aber manchmal arbeite ich für andere, mit denen ich etwas andere Erfahrungen mache. Ich denke dabei vor allem an Les Nez (eine junge, alternative Marke, die in Frankreich noch nicht herausgekommen ist und für die Isabelle drei Düfte geschaffen hat, AdR).

Was sind ihre Einflüsse als Designerin ?

Ich würde sagen alles. Ich atme, also rieche ich und so bin ich beeinflußt. Beeinflußt von der Natur, von Orten, von dem Geruch der Menschen, von den Männern, die ich liebe. Und dann bin ich beeinflußt von den Wörtern, den Ideen. Vielleicht auch von Musik, ohne Zweifel weniger. Für Le Nez war das Leitmotiv der Kreationen ein Austausch von Büchern. Die Parfums wurden beim Lesen und dem Enthusiasmus dabei geschaffen. Das waren schöne, poetische Augenblicke.

Woran erkennt man ihre Parfums ? Was sind ihrer Meinung nach die Markenzeichen ?

Meine Formeln sind nicht sehr lang, und ich verwende nicht viele Schnörkel. Ich mag treffende Ideen, die wie Herausforderungen sind. Dann ist es egal, wenn sie etwas brutal sind. Unter den Rohstoffen liebe ich Rosenessenz, Hedione (*) und zur Zeit einige Vetivernoten. Allerdings benutze ich einige Ingredienzen niemals (ich habe den Eindruck, daß sie mir direkt auf die Leber gehen), wie zum Beispiel Dihydromyrcenol (**). Ich gebe zu auch kein Fan der männlichen Farnkrautfamilie zu sein.

Glauben sie, daß es für ihre Schöpfungen einen Unterschied macht, daß sie eine Frau sind ? Wen ja, welcher?

Eine Frau zu sein, beeinflußt wahrscheinlich meine Arbeit. Aber das Wichtigste ist meiner Meinung nach der kreative Prozeß.

Welche(s) Parfum(s) anderer Parfumeure hätten sie gerne geschaffen ? Warum ?

Ich hätte gerne ‘Patschouli’ von Réminiscence geschaffen. Warum ? Das ist ein Geheimnis. Ansonsten gibt es einige Düfte der Marke De Laire, wie das Mousse de Saxe, das Prunol (***) oder den Iso Tabak. Das sind für mich kleine Schmuckstücke.

Wie werden die Parfums der Zukunft sein ? Haben sie selber einen Wunsch für die Zukunft ?

Das frage ich mich wirklich. Ich habe wahrscheinlich meine Nase zu sehr in der Gegenwart. Mein Wunsch ist es, neue, kreative Methoden auszuprobieren.

*leichte florale Note, die an Jasmin und Tee erinnert
**aromatische Note, die an Sauberkeit, grüne Zitrone und Levendel erinnert.
***fruchtiger Chypre-Akkord, der von Edmond Roudnitska erfunden wurde