Die Parfums Kenzo kollaborierten bereits mit den Design... Ok
Ein Interview mit Etienne de Swardt, Begründer der Marke Etat Libre d’Orange und der Parfumeurin Nathalie Feisthauer, die mehrere Parfums der Marke, darunter auch den Bestseller ‘Putain des Palaces’, geschaffen hat.
EDS : Etat Libre d’Orange wurde im Herbst 2006 geschaffen. Für jedes Parfum arbeite ich mit befreundeten Parfumeuren zusammen. Es gibt die beiden Antoines, Antoine Lie und Antoine Maisondieu, und Nathalie Feisthauer. Alle drei arbeiten auch für andere Marken. Nathalie hat zum Beispiel L’Eau des Merveilles für Hermès oder Must pour Homme für Cartier entworfen. Der Schaffensprozeß für ein Parfum für Etat Libre d’Orange ist frei. Frei von Zensur oder der Sorge nach Rentabilität. Ich arbeite seit einiger Zeit im Bereich der Parfumherstellung. Ich habe bei Givenchy gearbeitet und vor einigen Jahren die Marke ‘Oh my dog !’ geschaffen.
EDS : Die Schöpfung ist für mich eine Angelegenheit der Parfumeure, ein freundschaftliches Verhältnis, das ich zu ihnen habe. Unsere Parfums sind häufig aus ihren kreativen Impulsen entstanden. Ich mag die Idee ohne Kompromisse arbeiten zu können.
NF : Bei mir ist das unterschiedlich. Manchmal arbeite ich von einem Rohstoff ausgehend, aber auch von einem Bild oder einem Gemälde. Für Nombril Immense war der Ausgangspunkt ein sehr schönes Patschuli. Ich habe es mit süßen Noten von Ambrettakörnern vermischt, die nur wenig in der Parfumherstellung benutzt werden. Der Duft hat fast keine Kopfnoten. Für Putain des Palaces habe ich mich von einer Bordellszene aus dem Film « Un long dimanche de fiançailles » inspirieren lassen. Von dieser Idee bin ich ausgegangen und dann habe ich eine Ledernote dazugefügt, um an den Geruch von Stiefeln zu erinnern, usw.
Zu den Nasen, die mich sehr beeinflußt haben, gehören zwei ganz unterschiedliche Richtungen. Einmal Jean Claude Ellena. Und dann Sophia Grojsman, die viele Bestseller von Damenparfums in den 80er Jahren geschaffen hat.
EDS : Mehrere Personen haben mir gesagt, daß sie einen starken Einfluß der 80er Jahren in der Marke bemerken können. Ich weiß nicht. Es stimmt, daß ich Ledergerüche liebe, das Erlebnis von einem starken Tier, genauso, wenn man ein Pferd besteigt. Diese Note haben wir in der Kerze Bottes & Ceinturons zum Ausdruck gebracht. Ich mag auch den Duft von Tuberose, den man mit der Costusnote in unserer neuen Schöpfung Vierges et Toréros, eine Tuberose für Männer, wiederfindet. Und für die Kerze Entrecuisse haben wir eine süße Note von tierischem Honig benutzt.
EDS : In jeder unserer Schöpfungen wollen wir unterhalten. Ich wollte nicht eine weitere alternative Parfummarke schaffen. Ich liebe Vergnügen und Zerstreuung. Ich mag die Idee, Kreative mit Sauerstoff zu versorgen. So ist das zum Beispiel bei unserem neuesten Damenparfum ‘Don’t get me wrong, baby, I don’t swallow’. Wir haben ein Parfum von weißen Blumen mit süßen Noten von Zuckerrohr um die Idee einer Jungfrau geschaffen. Das ist das Konzept von L’American Kiss, etwas keusch, zumindest dem Anschein nach.
NF : Angel oder Opium. Beide erzählen eine starke Geschichte.
EDS : Das Parfum Enemi von Nickel. Wegen dem Konzept, und auf jeden Fall der originellen Idee. Ich hätte auch gerne das Parfum ‘Lucifer’ herausgebracht. Es ist eine Kreation eines englischen Modemachers, die nie erschienen ist, aber für die ich vor einigen Jahren gearbeitet habe. Auch da gab es ein starkes Konzept.
NF : Ich glaube nicht an Rohstoffe. Ich denke, daß man wieder mehr natürliche Stoffe verwenden wird. Die alternative Wirtschaft bei Rohstoffen ist ein interessanter Weg. Das sieht man heute in anderen Bereichen als in der Parfumherstellung.
EDS : Alternative Wirtschaft, ich weiß nicht. Vielleicht. Auf jeden Fall glaube ich besonders an Natürliches. Es wird sicher eine Nachfrage nach Ökologischem und Natürlichem geben. Ich glaube auch, daß der Vertrieb von Parfums eine Rolle spielen wird. Es wird einen exklusiveren, selektiveren Vertrieb geben.
EDS : Ich möchte mir Zeit nehmen.Ich möchte nicht nur Umsatz machen, um am Ende keine originelle Idee mehr zu vertreten. Für die Verkaufspunkte gibt es eine Nachfrage in anderen Teilen Frankreichs, im Ausland, Italien, Russland. Wir haben gerade ein Abkommen mit einem New Yorker Kaufhaus, Henri Bendel, unterschrieben. Sie sind mehrmals zu uns nach Paris gekommen und waren von dem Konzept angetan. Sonst haben wir auch andere Projekte. Wir haben unser Geschäft etwas vergrößert und arbeiten mit dem Verleger Taschen für Parfumbücher zusammen. Wir arbeiten auch mit Parfumeuren an neuen Düften und neuen Ideen. Es wird vielleicht auch eine Kerze 69 rue des Archives geben. Obwohl die Hausnummer 69 der Boutique zunächst ganz zufällig war…